Wer hat noch nicht, wer will nochmal?

21.02.2025

Dank unseres so umsichtigen wie einsatzfreudig-agilen Bundespräsidenten können wir uns ca. 150 Tage nach der Nationalratswahl mit der Frage beschäftigen "wer hat noch nicht, wer will nochmal?"

Quelle: https://www.derstandard.at/story/3000000203732/so-sind-wir-nicht-oder-sind-wir-nicht-doch-so

Begonnen hat der ganze Polit-Klamauk mit einer tragisch-obskuren Verhandlungskaskade, die unter der Federführung Karl Nehammers nicht nur sprichwörtlich den Bach hinuntergegangen ist; an diesem fragwürdigen Experiment waren neben der ÖVP auch die SPÖ sowie die NEOS an Bord; Nehammer, Babler & Meinl-Reisinger sind kläglich gescheitert; Nehammer ist dabei politisch "abgesoffen".

Was dann kam, war zuallererst ein politischer Rückwärtssalto der ÖVP; dank Christian Stocker war es plötzlich möglich, mit Herbert Kickls FPÖ zu verhandeln; auch dieses Experiment ist letztlich daran gescheitert, dass die ÖVP die staatspolitische Verantwortung ihrer nativen Machtbesessenheit opfern musste.

Danach kam es, welch Wunder, zu Koalitionsgesprächen zwischen ÖVP und SPÖ; kurz vor dem Erreichen der Zielgerade musste das vermeintliche "Mastermind" der SPÖ, Michael Ludwig, feststellen, dass sein geniales Geldbeschaffungskonstrukt für die Bundeshauptstadt auf wackeligen Beinen steht, wenn Genosse Hans Peter aus dem Burgenland nicht mitspielt; am Widerstand Doskozils ist daher auch Schwarz-Rot klamm-heimlich gescheitert. Der rote Alex als Finanzminister kann die Finanzen Wiens nicht so sanieren, wie sich das der Herr Ludwig ausgedacht hatte; aus dem "Mastermind" wurde über Nacht ein "Desastermind".

Quelle: https://www.oe24.at/video/fellnerlive/fellner-live-die-umfrage-der-woche/624486861

145 Tage nach der Nationalratswahl vom 29.09.2025 beginnt jetzt das ganze "Ringa Ringa Reia"-Kinderspielchen wieder von vorne: ÖVP, SPÖ und NEOS beginnen mit einer Neuauflage ihrer ursprünglichen Koalitions-Verhandlungen.

Auffällig ist, dass bislang eine einzige Partei in den Überlegungen der potenziellen Koalitionäre keine Rolle spielen durfte – die GRÜNEN hat man, aus guten Gründen und völlig zurecht, bislang von der Teilnahme an jeder möglichen oder unmöglichen Regierung kategorisch ausgeschlossen; aber wer weiß schon, was noch kommt oder droht?

Politisch ist, wie beim Lotto, in Österreich alles möglich – von der bereits über Gebühr strapazierten "staatspolitischen Verantwortung" ist wiederum weit und breit weder etwas zu spüren noch zu sehen; es geht einzig darum, welche Partei mit welchem Günstling welchen Posten besetzen darf – das ist die traurige Realität; und wer da aller plötzlich "ministrabel" sein soll, ist ohnedies der helle Wahnsinn und ein eigenes Kapitel wert; es werden sogar die Namen von Schießbudenfiguren kolportiert, die Eva-Maria, Claudia, Sven oder Alexander lauten sollen; was uns da im schlimmsten Fall drohen könnte, ist ebenso abenteuerlich wie abscheulich und unvorstellbar.

Quelle: https://www.oe24.at/video/fellnerlive/fellner-live-die-umfrage-der-woche/624486861

Parallel zum laufenden offensichtlich Werden der politischen Unfähigkeit, die ausschließlich auf unfähigstes Personal zurückzuführen ist, hat auch das Volk eine Meinung zu dieser absurden Farce – und sei es nur in der Form wöchentlich stattfindender Meinungsumfragen diverser Institute; deren Ergebnisse konterkarieren die Machavancen von ÖVP & SPÖ massiv; ÖVP & SPÖ kämen derzeit gemeinsam auf weniger Prozentpunkte als die FPÖ alleine; und bei der fiktiven Beantwortung der Kanzlerfrage können Christian Stocker, Andreas Babler u. Beate Meinl-Reisinger zu dritt Herbert Kickl maximal noch auf Augenhöhe begegnen – und mehr als ein Drittel aller Befragten will gar keinen der zur Verfügung stehenden Kandidaten; in der einen oder anderen Partei könnte man sich schön langsam Gedanken darüber machen, ob man politisch in die richtige Richtung fährt oder nicht schon recht lange als Geisterfahrer unterwegs ist.

Auch wenn es um das Vertrauen in die Politik(er) geht, dessen mangelndes Vorhandensein laufend moniert wird, stehen die Zeichen auf "Sturm"; die diesbezüglichen Werte sind erhellend wie vernichtend zugleich; dasselbe gilt für die Antworten auf die Fragen, wem die WählerInnen zubilligen, über sinnvolle "Ideen und Rezepte" zu verfügen.

Quelle: https://www.oe24.at/video/fellnerlive/fellner-live-die-umfrage-der-woche/624486861

Wie auch immer: Unter der Ägide Van der Bellens und vor den Augen der gesamten Öffentlichkeit dürfen seit mehr als 4 Monaten allerlei Parteien in unterschiedlichen Konstellationen ergebnislos an der Bildung einer neuen Regierung herumdoktern; was soll das, könnte man sich fragen – uns, das Volk, fragt niemand; wir haben scheinbar am 29.09.2024 so gewählt, dass es unmöglich ist, eine funktionierende Regierung bilden zu können, die unsere und nicht bloß parteiliche Interessen vertritt – das ist, das muss man leider festhalten, Demokratie – und daran leiden wir.

Ein Letztes noch: Politiker soll man ja nicht an ihrem Aussehen sondern an ihren Taten messen; wer immer in Österreich irgendwann regieren wird, wird sich daran messen lassen müssen, was im Wahlkampf bzw. den jeweiligen Wahlprogrammen versprochen wurde - auch daran wird man sich eines Tages erinnern und dann bilanzieren müssen; diese Bilanz wird, das kann man bereits heute mit Sicherheit sagen, vernichtend sein.

Chr. Brugger

21/02/2025