ÖFB – oder die Kunst der Ausrede
Sobald das medial gehypte Nationalteam der Herren nicht liefert, ist man im ÖFB um Ausreden nicht verlegen.
Seit der bitteren 1:2 Niederlage gegen die Türkei bei der EM in Leipzig gab es vom ÖFB-Team kaum noch etwas Erfolgreiches zu berichten; zwei magere Unentschieden gegen Slowenien, Sieg und Niederlage gegen Norwegen und zuletzt die peinliche Pleite gegen Serbien; der nur medial auffrisierte Motor von Ralf Rangnicks Mannschaft stottert sich durch die Niederungen zweitklassiger Nations-League Partien; wir müssen feststellen, dass es selbst gegen vermeintlich schwächere Gegner nicht zu Siegen reicht und von der Spitze Europas (Spanien, Frankreich, Deutschland, Italien & England) sind wir weiter entfernt als allen lieb sein kann.

Quelle: https://www.derstandard.at/story/3000000243769/differenzen-im-fussballbund-wenn-die-uhren-anders-ticken
Allein wenn es darum geht, Ausreden für schwache Leistungen und ebensolche Ergebnisse zu finden, sind wir eine Klasse für uns: Pech, mangelnde Chancenauswertung, Verletzungen beim Stammpersonal und Fehlentscheidungen der Schiedsrichter gehören mittlerweile zum Standardrepertoire der sich Erklärenden – psychologisch betrachtet täuschen wir uns also lieber bewusst selbst als dass wir uns endlich mit der Realität konfrontierten.
Tatsache ist, dass im ÖFB-Team vor allem hinten und vorne nichts zusammenläuft; wir haben mehrere Fliegenfänger für die Position des Torwartes, aber keinen richtig guten bzw. unumstrittenen "Einser"; Schlager & Co sind immer für Aussetzen und Slapstick-Einlagen zu haben; im Angriff sind wir nicht minder schlecht besetzt; Marko Arnautović, der 35-järige Ersatzspieler beim Football Club Internazionale Milano, ist in seiner zweiten "Amtszeit" beim italienischen Titelaspiranten in der laufenden Saison in 29 Spielen nur 3-mal in der Startelf gestanden und hat bislang 2(!) Tore erzielt – für jeden Stürmer ein Zeichen sportlicher Armut; dasselbe gilt für Michael Gregoritsch (30) beim SC Freiburg; kein einziges Spiel von Beginn an, 2 Tore und insgesamt 462 Einsatzminuten in 26 Bundesligaspielen – das sind immerhin rund 18 Minuten/Spiel.

Quelle: https://www.laola1.at/de/red/fussball/oefb-nationalteam/a-team/news/arnautovic---ich-hatte-im-spiel-eine-panikattacke-/
Weitere Stürmer sucht man im ÖFB-Team vergebens; insofern muss bzw. kann es sich ja wohl nur um einen Scherz oder ein Missverständnis handeln, dass auf der Homepage des ÖFB auch Marco Grüll, Andreas Weimann, Junior Adamu, Raul Alexander Florucz und Arnel Jakupovic als "Stürmer" bezeichnet werden.
Die laufend monierte "mangelnde Chancenauswertung" taugt insofern nicht als Ausrede, sie hat vielmehr eindeutige Gründe; wer schon im Verein nicht trifft, von dem kann man nicht erwarten, dass er sein Visier im Umfeld der Nationalmannschaft besser justiert hat – es mangelt an Torgefahr, individueller Qualität und Format; so einfach wäre das, wäre man ehrlich, erklärbar.
Das Thema "Verletzungspech" beschäftigt nicht nur den ÖFB; diese Ausrede könnten auch alle anderen Nationalmannschaften verschwenderisch missbrauchen – es taugt allerdings rein gar nichts; Verletzungen sind im Sport weder unüblich noch rar, sondern an der Tagesordnung und Teil des Geschehens.
Dasselbe gilt für vermeintliche Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern; so lange Fußballspiele nicht ohne Referees stattfinden, wird man Fehler nicht ausschließen können; rein statistisch gesehen gleichen sich diese als unfair empfundenen Regelauslegungen, zumindest über einen längeren Zeitraum hin, ohnedies aus.

Quelle: https://www.sn.at/sport/fussball/nationalteam/oefb-team-die-niederlage-serbien-fragen-175735753
Und wenn, wie das nach den Aussagen von Ralf Rangnick & Co der Fall sein soll, laufend die vermeintlich bessere Mannschaft verliert, müsste man sich, ehe zu lamentieren, damit beschäftigen, warum man aus einer subjektiv empfundenen "Feldüberlegenheit" nicht mehr Kapital lukrieren kann; mit unerträglichem hin und her-Geschiebe im Mittelfeld, dem Hang zum einfachen Rückpass sowie der Abneigung gegen Schüsse aus der Distanz werden wir aber auch in der WM-Qualifikation bald merken, dass es selbst gegen vermeintlich "einfache" Gegner zu größeren Problemen kommen und das Ziel "WM 2026" in weite Ferne rücken kann.
Solange aus Standradsituationen keine Torgefahr ausgeht, Freistöße aus guten Positionen im "dritten Stock" landen und selbst glasklare Torchancen aus eigenem Unvermögen "vernebelt" werden, sind wir von einer Teilnahme an der Weltmeisterschaft weiter entfernt, als das den ÖFB-Verantwortlichen sowie den Nationalspielern bewusst sein dürfte.

Quelle: https://www.laola1.at/de/red/fussball/oefb-nationalteam/a-team/diashows/oefb-einzelkritik--die-noten-zum-selbstfaller-in-serbien/
Es ist also Realitätssinn erforderlich und das Einsehen bzw. Eingestehen der eigenen Schwächen – die Schuld für Niederlagen und Misserfolge immer nur bei anderen bzw. äußeren Einflüssen finden zu wollen, ist feige, charakterschwach und billig; wer gegen Rumänien und Bosnien bestehen will, muss zumindest in der Lage sein, sich selbst ernsthaft zu reflektieren; sich laufend nur einzureden, man wäre besser als andere, ist bei weitem zu wenig; solange man das im ÖGB nicht kapiert, werden wir an keiner WM teilnehmen; es wird wohl eine Ursache dafür geben, warum just wir Österreicher seit mehr als einem Vierteljahrhundert an keiner WM-Endrunde mehr teilnehmen durften.
Chr. Brugger
25/03/2025