Die Stunde der Medien

07.01.2025

Alltäglich, beinahe allstündlich oder wie in den letzten Tagen gar minütlich, darf sich der verbliebene Rest derjenigen, die das politische Geschehen hierzulande noch interessiert, an irgendwelchen "Breaking News", Diskussionsrunden, Kommentaren oder sonstigen "wertvollen Beiträgen" über die neuesten Entwicklungen erfreuen.

Dabei werden überwiegend Themen erörtert, die es mangels Relevanz nicht wert sind, besprochen zu werden; stundenlang wird darüber geredet, wem Österreich seine "Staatskrise" zu verdanken hat: War es der Bundespräsident oder Karl Nehammer, vielleicht auch Andreas Babler oder doch die NEOS; oder ist am Ende Herbert Kickls FPÖ daran schuld, weil sie jede Wahl haushoch gewinnt und damit alle anderen überfordert.

Quelle: https://shop.oberauer.com/medien/oesterreichs-journalist-in/772/oesterreichs-journalist-in-2024-06

Tatsache ist nun einmal, dass wir uns hierzulande – das gilt für alle! – mit einer Situation konfrontiert sehen, die es möglichst rasch zu verbessern gilt; wer dafür verantwortlich ist, ist momentan egal; es gilt, sich nicht darüber zu echauffieren, wer was "verbrochen" oder falsch gemacht hat, sondern kollektiv darüber nachzudenken, wie wir den unliebsamen Zustand zum Besseren hin verändern können; Faktum ist aber auch, dass das nicht einer oder eine politische Partei erledigen kann, sondern wir alle gefordert sind, einen entsprechenden Beitrag zu leisten – sei dieser intellektueller oder finanzieller Natur.

Mit der Grundhaltung, es würden just immer diejenigen versagen, die gerade das Sagen haben, werden wir nichts erreichen; wenn jetzt schon alle zu wissen vermeinen, dass FPÖ & ÖVP ohnedies nichts zustande bringen, ist der "Stab" über deren noch gar nicht begonnene Arbeit bereits gebrochen und eine Befreiung aus der kollektiven Lethargie unmöglich; wäre es daher nicht klüger, wenn sich die klugen Leute dieses Landes "formieren" und sinnvolle Vorschläge dafür unterbreiteten, wie man etwas besser machen könnte, als in ihren Kommentaren Vermutungen darüber anzustellen, warum das eine oder andere nicht funktionieren bzw. nichts verändern bzw. bringen wird.

Quelle: https://www.horizont.at/medien/news/aufstiege-innerhalb-der-kurier-redaktion-58836

Was spräche dagegen, würden sich beispielsweise – und jetzt bin ich bei denjenigen, die mE intellektuell dazu in der Lage sind – Menschen wie Raffaela Schaidreiter, Alexander Purger, Christian Nusser, Armin Wolf, Rainer Novak, Anna Thalhammer, Walter Hämmerle, Andreas Koller, Johanna Hager & Co ein paar Tage gemeinsam (vor dem Hintergrund der ihnen bekannten Probleme) darum bemühen, den "Medienstandort Österreich" neu zu denken; wie können seriöse Medien laufend einen wertvollen Beitrag dafür leisten, dass ihre Konsumenten (nämlich wir, das Volk) das, was sie schreiben bzw. berichten, auch verstehen? Dass Österreich einen Sparkurs benötigt, wird ja niemand bestreiten – wie man und wer das der Bevölkerung erklärt und verkauft, darüber kann es in den nächsten Jahren keine zwei Meinungen mehr geben; wer, wenn nicht Journalisten, Reporter & politische Kommentatoren, könnten das, losgelöst von jedweder parteipolitischen Ideologie, sonst am besten und effizientesten flächendeckend tun?

Einer solchen, kollektiven Kraftanstrengung, bedürfte es aber in allen relevanten Bereichen des Landes; das Volk ist mit Sicherheit bereit, vor allem an einer finanziellen Gesundung des Landes mitzuwirken und seinen erforderlichen Teil beizutragen; man muss es ihm nur glaubhaft erklären und klar machen, dass dieser Weg tatsächlich alternativlos ist.

Die bisherige Darstellung "alternativloser" Entscheidungen war naiv und vor allem kommunikativ katastrophal; wenn der Bevölkerung das Vertrauen in die kommunizierenden Personen fehlt, ist Kommunikation sinnlos, bewirkt das Gegenteil und verärgert die Empfänger all dieser Botschaften; entscheidend wird sein, wer wie und zu welchem Zeitpunkt kommuniziert; ohne Zutun und Wohlwollen aus der Medienlandschaft dieses Landes ist eine kollektive Versorgung mit entsprechenden Inhalten ausgeschlossen; jede Reform wird scheitern, weil immer der größere Teil derjenigen, der davon betroffen ist, in deren Auswirkungen ein Einzelschicksal vermutet und keine kollektiv erforderliche Maßnahme, die es gesamtstaatlich zu akzeptieren gilt.

Es könnte daher die "Stunde der Medien" sein, sich der Bedeutung und ihres Einflusses auf die Gesellschaft bewusster zu werden, als das bislang der Fall war; Kommentare können sprachlich brillant, von Wortwitz geprägt und ebenso treffend sein – Zustände bzw. politisches Handeln kritisch zu beschreiben, ist derzeit aber zu wenig; so angenehm es sein mag, Politiker bzw. deren Verhalten und Tun "auseinanderzunehmen", so wenig ist damit für das Land erreicht; Befunde heilen bekanntlich nicht, mögen sie auch noch zu treffend sein; die 4. Macht im Staat ist daher ebenso gefordert, wie alle anderen auch.

Chr. Brugger

07/01/2025