Das Ende der nordischen Kombination?
Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob die nordischen Kombiniererinnen an olympischen Spielen teilnehmen dürfen oder nicht; just an einem Tag wie heute, dem 08. März, der seit mehr als hundert Jahren auch als "Weltfrauentag" herhalten muss bzw. gefeiert wird, stellt sich mehr denn je die Frage, warum Frauen, die nordisch kombinieren möchten, auch weiterhin – im Unterschied zu den Männern – nicht an olympischen Spielen teilnehmen dürfen.
Bei den nächstjährigen olympischen Winterspielen, die vom 06. bis 22.02.2026 in Mailand und Cortina d´Ampezzo stattfinden werden, ist die "nordische Kombination" die einzige Disziplin, in der nur Männer und keine Frauen teilnehmen dürfen; es stellt sich nur die Frage, warum das so ist.

Quelle: https://www.nrk.no/sport/ida-marie-hagen-med-suveren-verdenscupseier-1.17158534
Über die Attraktivität von Sportarten lässt sich bekanntlich recht trefflich streiten; Tatsache ist aber zumindest, dass die Anziehungskraft einer sportlichen Disziplin auch davon abhängt, wie viele Menschen diese überhaupt ausüben können; bei der nordischen Kombination stoßen recht viele sehr bald an die Grenzen ihrer Möglichkeiten – um diese Sportart ausüben zu können, benötigt man Schnee für Loipen und vor allem Skisprungschanzen; damit ist de facto schon die überwiegende Mehrheit aller Menschen von der Ausübung ausgeschlossen.
Attraktiv sind Sportarten aber vor allem dann, wenn sie medial bzw. wirtschaftlich entsprechend genutzt werden können; im Fokus ökonomischer Überlegungen befinden sich daher jene Disziplinen, bei denen das Zuschauerinteresse am größten ist; Tradition und länder- bzw. kontinental-bedingte Vorlieben spielen hingegen kaum eine Rolle; vermarktet wird das, was möglichst viele interessiert und womit sich dementsprechend auch am meisten Geld verdienen lässt.
Und das ist bei der nordischen Kombination weder bei den Herren noch bei den Damen der Fall; dieses "Schicksal" teilen die Kombinierer u.a. mit den RodlerInnen, Skeleton- und Bob-FahrerInnen; diese Sportarten interessieren, so ehrlich muss man sein, kein "Schwein"; sie sind ein Relikt längst vergangener Tage und zur Gewohnheit gewordene Anhängsel im regional recht bescheidenen Sportgeschehen.

Quelle: https://www.nordicmag.info/en/nordic-combined-ramsau-lena-brocard-finishes-in-the-top-10-in-the-individual-compact-pursuit-won-by-ida-marie-hagen-1221/
Was aber das noch größere Problem dieser Sportarten sein dürfte, ist die nicht zu leugnende Gegebenheit, dass sich die Leistungsdichte auf eine Handvoll Nationen komprimiert; in der nordischen Kombination gibt es vor allem in den Team-Bewerben absolut keine Konkurrenz; Norwegen, Deutschland und Österreich bzw. Japan – das war es dann auch schon; der Rest ist viel zu schwach, an dieser Sportart nicht interessiert oder zahlenmäßig gar nicht in der Lage, ein Team zu stellen.
Im Prinzip ist die nordische Kombination dadurch bloß eine exotische Disziplin und selbst unter den Randsportarten noch eine Randsportart.

Quelle: https://www.aftenposten.no/sport/i/9zP7el/ida-marie-hagen-klatret-til-seier-i-otepaa-oekte-verdenscupledelsen
Und ob all dessen ist es keine Überraschung, dass diese Disziplin um ihr eigenes Überleben kämpft – unter den erwähnten Gesichtspunkten hat die nordische Kombination zumindest bei olympischen Spielen nichts verloren – ebenso könnte man darüber diskutieren, Eisfischen oder Zipfelbobfahren olympisch machen zu wollen.
Chr. Brugger
08/03/2025